Sehen und gesehen werden

Bild vergrössern

Amir Hossein Keihani, Black Birds, 2011

Sehen und gesehen werden

Die zum Thema «Sehen und gesehen werden» gezeigten Arbeiten hinterfragen die ambivalente Beziehung, welche die Fotografie mit dem voyeuristischen und exhibitionistischen Blick unterhält – besonders seit dem Aufkommen des öffentlichen Raums, der sich im Internet, den sozialen Netzen, durch den Austausch von Bildern zwischen Mobiltelefonen, aber auch mit den neuen Überwachungstechnologien aufgetan hat. Heutzutage kann jeder eine Szene festhalten und das dabei entstandene Bild mittels Mobiltelefon an eine Zeitung oder an ein anderes Medium übermitteln, und während der Übermittlung wird man ebenfalls von einer der omnipräsenten Überwachungskameras beobachtet. Sind diese Überwachungskameras demokratische und Sicherheit vermittelnde Werkzeuge – oder sind es Instrumente, die zum gefährlichen Missbrauch einladen? Die neusten Technologien machen es nicht nur einfacher, ein menschliches, allzu menschliches Bedürfnis zu befriedigen – nämlich zu sehen, was verboten ist –, sondern sie öffnen auch der Ausbeutung der eigenen Person Tür und Tor.

Die zeitgenössische Fotografie spiegelt diese Vorgänge wider, indem sie die neuen technischen Errungenschaften für sich selber nutzt und sie dabei kritisch hinterfragt, respektive deren Ästhetik verändert. Sie lotet so die Grenzen zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen aus – ein Thema, das die fotografische Produktion in den letzten Jahren stark geprägt hat und das immer komplexere Fragen zum Urheberrecht für Bilder aufwirft. Seit den Achtzigerjahren und der «Krise» des Glaubens an den Wahrheitsgehalt von Bildern gibt es wieder eine Rückbesinnung auf das Authentische, d.h. das Private und Persönliche, Intime. Davon zeugen auch die interaktiven Bilder, die während des Arabischen Frühlings von einfachen Bürgerinnen und Bürgern gemacht wurden: Sie erwiesen sich als sehr durchschlagskräftig und ermöglichten einen Einblick in die andere, die menschliche Dimension der Ereignisse. Die 16. Ausgabe des Festivals zeigt die verschiedenen Aspekte des «zudringlichen» Blicks, der dem Medium eigen ist und der die technologische Entwicklung der Fotografie wesentlich mitgeprägt hat, welche ihrerseits das «Zudringen» erst möglich gemacht hat.

Meeting Day

NEU AN DEN BIELER FOTOTAGEN

Portfolio Reviews
8. September 2012
11.00 - 17.00
Schule für Gestaltung Bern und Biel
Salzhausstrasse 21
2502 Biel / Bienne